16. Juni 2019Murat Volkan DülgerBeitrag

Einleitung

Dieses Werk ist in türkischer Sprache erschienen. Die Zusammenfassung auf dieser Seite ist eine Übersetzung; der Originaltitel steht in Klammern.

Berücksichtigt man beim Begriff der Sexualstraftat nur die in den Strafgesetzen enthaltenen Tatbestände, so scheint er sich auf die sexuelle Belästigung, die sexuelle Zudringlichkeit (sarkıntılık), den einfachen sexuellen Übergriff und den qualifizierten sexuellen Übergriff zu beschränken. Der Begriff der Sexualstraftat ist jedoch weiter und reicht in seinen Auswirkungen darüber hinaus. Vor allem seit das Internet nach der digitalen Revolution zu einem unverzichtbaren Teil unseres Lebens geworden ist und all unsere personenbezogenen Daten einschließlich unseres Privatlebens in die sozialen Medien verlagert worden sind, haben Häufigkeit und Reichweite dieser Straftaten in unvorhersehbarer Weise zugenommen. Im Zeitalter vor dem Internet musste man, um an einer Person eine Sexualstraftat zu begehen, ihr so nahe sein, dass körperlicher Kontakt möglich war, oder ihr zumindest einen Brief oder Ähnliches schicken. Heute ist es für den Täter äußerst leicht, anonym zu bleiben und im digitalen Raum einen sexuellen Übergriff zu begehen.

Dieses Umfeld erschwert einerseits die Ermittlung des Täters und erleichtert andererseits die Begehung der Tat. Das verbreitetste Beispiel hierfür ist das in letzter Zeit auftretende Phänomen des „Rachepornos“ (revenge porn), bei dem frühere Partner oder Ehegatten anonym Bilder oder Videos verbreiten, die den anderen nackt oder beim Geschlechtsverkehr zeigen. Eine weitere Begehungsweise von Sexualstraftaten, die das digitale Zeitalter hervorgebracht hat, besteht darin, dass Opfer mithilfe privater Aufnahmen oder Informationen, die auf irgendeine Weise im digitalen Raum erlangt wurden, erpresst und zum Geschlechtsverkehr mit dem Täter selbst oder mit Dritten gezwungen werden. Eine weitere Sexualstraftat besteht darin, dass der Zugang zu Kinderpornografie, Tierpornografie oder gewalthaltigen pornografischen Inhalten leicht verschafft wird.

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